Grauer Star Operation – der Ablauf

Die Operation am Grauen Star ist ein Routineeingriff

Den meisten Menschen ist vor einer Operation am Auge etwas mulmig. Schließlich ist man nicht jeden Tag in dieser Situation. Da ist es verständlich, dass Vorfreude aber auch Anspannung diesen Schritt begleiten.

Die gute Nachricht ist: Was sich für Sie wie ein besonderes Ereignis anfühlt, ist für den operierenden Arzt Alltag. Hunderttausende von Menschen werden pro Jahr in Deutschland am Grauen Star (Katarakt) operiert. Der Eingriff dauert nicht mehr als 10 – 30 Minuten, ist schmerzfrei, verläuft in den allermeisten Fällen komplikationslos und wird in verschiedenen Augenzentren jeden Tag ambulant durchgeführt. Mit anderen Worten: Es ist ein Routineeingriff, mit dem die Medizin viel Erfahrung hat. Lesen Sie jetzt, welche Schritte bei einer Katarakt-Operation notwendig sind und welche Operationstechniken heute zum Einsatz kommen.

Vor der Operation am Grauen Star

Der große Tag ist da. Bevor Sie in den Operationssaal begleitet werden, wird ein Mitarbeiter der Augenklinik noch einmal Ihre Unterlagen prüfen, einen Blick auf das zu operierende Auge werfen und sicherstellen, dass das richtige Auge (rechts oder links) für die Operation vorbereitet wird. Haben Sie die folgenden Dinge beachtet? Dann haben Sie die besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Operation geschaffen.

1. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ab wann Sie vor der Operation nicht mehr essen und trinken sollen und halten Sie dieses Zeitfenster ein.

2. Auch wenn es schwerfallen mag: Auf das Rauchen sollten Sie am Operationstag verzichten.

3. Wenn Sie dauerhaft Medikamente einnehmen, sollten Sie mit dem behandelnden Arzt frühzeitig klären, ob Sie diese Medikamente auch im Vorfeld der Operation weiter einnehmen können.

4. Fahren Sie nicht mit dem eigenen Auto zur Klinik. Sie können nicht selbst zurückfahren. Nehmen Sie sich besser ein Taxi oder bitten Sie jemand aus Ihrem Umfeld, Sie zur Klinik zu bringen und wieder abzuholen. Auch in den Tagen nach der Operation können Sie nicht selbst Auto-fahren.

Die Schmerzbetäubung bei der Operation am Grauen Star

Die Katarakt-Operation ist ein mikrochirurgischer Eingriff. Das bedeutet, dass der Operateur mit einem Operationsmikroskop arbeitet. Damit sie keine Schmerzen spüren, werden Sie – oder besser Ihr Auge – für den Vorgang betäubt. Die Vollnarkose ist bei der Operation am Grauen Star die Ausnahme. Sie wird nur noch dann eingesetzt, wenn aufgrund der Begleitumstände eine lokale Betäubung nicht mehr optimal möglich ist. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn der Patient seinen Kopf – wie bei einer ausgeprägten Parkinson-Erkrankung – nicht stillhalten kann. Auch bei Kindern, die mit einer angeborenen Linsentrübung auf die Welt kommen, wird sich der Operateur für die Vollnarkose entscheiden.

Die Lokalanästhesie mit Tropfen oder Gel

Die Kataraktoperation geht sehr schnell und greift nur minimal in das Körpergeschehen ein. Etwa 10-30 Minuten verbringt man für eine Entfernung des Grauen Stars auf dem OP-Tisch. Auch deshalb kommt mittlerweile in den meisten Fällen nur ein Lokalanästhetikum zum Einsatz. Das heißt: Die Nerven im Auge und die Gegend um das Auge herum werden mit einem Medikament so betäubt, dass Sie keine Schmerzen spüren. Dafür werden Ihnen Tropfen ins Auge gegeben oder ein Gel in und um das Auge aufgetragen. Manchmal werden vor dem Eingriff auch zusätzlich Beruhigungsmittel gegeben. Während der Operation wird Ihr Kreislauf überwacht – zum Beispiel mit einem EKG, durch Pulsmessung, Messung der Sauerstoffsättigung und Blutdruckmessung.

Die lokale Betäubung mit Spritze

Alternativ zu Tropfen oder Gel kann das lokale Betäubungsmittel – ähnlich wie beim Zahnarzt – auch mit einer Spritze verabreicht werden. Da einige Patienten diesen Vorgang als unangenehm empfinden, bieten manche Kliniken dabei die Möglichkeit einer Kurznarkose an. Genau wie bei der Vollnarkose bewirken die Wirkstoffe einer Kurznarkose, dass das Bewusstsein ausgeschaltet wird. Sie bekommen für einen vergleichsweise kurzen Zeitraum nicht mehr mit, was um Sie herum geschieht. Da die Kurznarkose nicht lange anhält und weniger Wirkstoff benötigt, ist sie weniger belastend für den Körper und mit geringeren Risiken verbunden.

Diese Technik wird für die Operation am Grauen Star verwendet

Die Linse in Ihrem Auge wird von einer Kapsel umschlossen, die mit elastischen Fasern an der Regenbogenhaut des Auges aufgehängt ist. Sie besteht aus mehreren Teilen – ein härterer Kern in der Mitte und eine weichere Rinde um ihn herum. Bei der Operation des Grauen Stars wird die gesamte Linse entfernt, nur die Kapsel verbleibt. Mehr zum Aufbau des Auges erfahren Sie im Artikel „So funktioniert das Auge“.

Die Standardtechnik – Phakoemulsifikation 

Die Phakoemulsifikation ist das gängigste Verfahren zur Entfernung des Grauen Stars. Dabei wird die Hornhaut mit einem winzig kleinen Schnitt geöffnet. Er ist nur ein paar Millimeter groß, um genau zu sein etwa 1,8 mm. Als nächstes wird mit Hilfe des Ultraschalls der harte Linsenkern verflüssigt und gemeinsam mit der weicheren Rinde abgesaugt. Je härter der Linsenkern ist, desto länger dauert dieser Schritt. Ein stark verhärteter Linsenkern, wie er bei einem weit fortgeschrittenen Grauen Star zu beobachten ist, erhöht das Risiko für Komplikationen.

Anschließend wird über den millimetergroßen Schnitt eine neue Linse in den Kapselsack eingesetzt. Weiche, faltbare Linsen benötigen nur einen minimalen Eingang, für eine härtere Linse aus Plexiglas muss der Schnitt etwas größer sein Plexiglaslinsen kommen heute nur noch relativ selten zum Einsatz. Für die optimale Stabilität dienen Bügel an beiden Seiten der Linse. Die kleinen Schnitte verschließen sich von selbst, sobald der Operateur seine Instrumente entfernt.

Neue Operationsmethoden – die Lasertechnik

Die Phakoemulsifikation ist eine genaue, zuverlässige und gut erprobte Operationsmethode. Seit 2010 gibt es noch eine weitere Möglichkeit, um den Grauen Star zu entfernen: den Femtosekundenlaser. Bei diesem Verfahren wird die Linsenkapsel nicht mit einem Schnitt aufgemacht, sondern computergesteuerte Laserstrahlen öffnen die vordere Linsenkapsel und erweichen den verhärteten Kern. Nachdem das aufgeweichte Gewebe abgesaugt wurde, wird die neue Linse eingesetzt. Der Operateur benötigt bei dieser Methode kein Skalpell. Der Laser arbeitet exakt und präzise und schont das umliegende Gewebe. Da der Femtosekundenlaser mit hohen Anschaffungskosten verbunden ist und technische Anforderungen mitbringt, ist die Zahl der Kliniken, die dieses Verfahren anbieten, begrenzt.

Nach der Operation

Wenn Ihre neue Kunstlinse perfekt sitzt, ist das Verfahren beendet. Sie erhalten antibiotische Tropfen, die eine Infektion verhindern sollen. Außerdem wird das operierte Auge mit einer Schutzbrille oder einer Augenklappe abgedeckt. Sie werden aus dem Operationssaal in einen Ruheraum gebracht, wo Sie sich von dem Eingriff erholen können. Sie können noch am selben Tag nach Hause gehen und in der Regel den Verband am nächsten Tag abnehmen. Wie Sie dafür sorgen können, dass das frisch operierte Auge komplikationslos heilt, haben wir im Artikel „Grauer Star Operation: Wie gelingt die Heilung?“ (LINK) für Sie zusammengefasst.

Im Vorfeld zu OP-Verfahren und Kunstlinse beraten lassen

Welche Operationstechnik für Sie passend ist, sollten Sie im Vorfeld mit Ihrem behandelnden Arzt besprechen. Dabei können Sie auch klären, welche Art der Linse für Sie geeignet ist. Das wichtigste Ziel einer Operation am Grauen Star ist die Entfernung der getrübten Linse. Darüber hinaus bietet es sich an, die Operation zu nutzen, um mit der richtigen Kunstlinse eine vorhandene Weit- oder Kurzsichtigkeit oder andere Fehlsichtigkeiten zu korrigieren. Dann brauchen sie nach dem Eingriff im Optimalfall keine Brille mehr. Neben der Standardlinse stehen Ihnen heute zum Beispiel auch Multifokallinsen oder torische Linsen zur Verfügung.

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